Mathias Binswanger
9 Seiten · 3,72 EUR
(Dezember 2010)
Aus der Einleitung:
Neuere empirische Forschungen zum Thema Glück und Zufriedenheit (subjektives Wohlbefinden) der Menschen in entwickelten Ländern haben folgendes aufgezeigt: Wenn das Bruttoinlandprodukt pro Kopf einmal ein bestimmtes Niveau erreicht hat, dann macht weiteres Wachstum die Menschen nicht mehr glücklicher oder zufriedener. Das Glücksempfinden stagniert und zwar in allen Ländern, für die langfristige Daten (über mehrere Jahrzehnte) vorliegen. In den USA werden solche Daten seit dem zweiten Weltkrieg regelmässig erhoben und der Prozentsatz der Menschen, die sich als "sehr glücklich" (very happy) bezeichnen, liegt mehr oder weniger konstant bei etwa 30 Prozent, obwohl sich das Bruttoinlandprodukt pro Kopf in diesem Zeitraum real etwa verdreifacht hat. Noch extremer ist der Fall in Japan, wo sich das BIP pro Kopf seit 1950 mehr als versechsfacht hat, aber das Glücksempfinden ebenfalls konstant blieb. Es scheinen Mechanismen zu existieren, die in entwickelten Ländern einer Zunahme des subjektiven Wohlempfindens mit dem Wirtschaftswachstum entgegenwirken. Diese Mechanismen lassen sich als Tretmühlen interpretieren, da die Menschen, obwohl sie stets einem höheren Einkommen hinterherrennen, glücksmässig an Ort und Stelle treten.